Radius: Aus
Radius:
km Set radius for geolocation
Suche

Vom Sozialismus geprägt – Kultautos der DDR und der Volksrepublik Polen im Vergleich

Vom Sozialismus geprägt – Kultautos der DDR und der Volksrepublik Polen im Vergleich

Lassen Sie sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit entführen. Die DDR und die Volksrepublik Polen… zwei auf ihre eigene Art und Weise vom Kommunismus geprägte Länder.

Doch nicht nur Politik, Menschen und Gesellschaft prägte das damalige System. Auch die Autos unterschieden sich von den westlichen. Viele damalige DDR Bürger werden sich noch gut an Trabant und Wartburg zurückerinnern, ebenso wie die Bürger der ehemaligen Volksrepublik sich noch an ihren „Winzling“ den Polski Fiat 126P erinnern. Ein Auto, das trotz der Größe eines größeren Umzugskartons in der Lage war Campingwägen und fünfköpfige Familien in den Urlaub zu kutschieren. Doch bevor wir die einzelnen Autos unter die Lupe nehmen, wollen wir doch einmal klären, was die Bürger beider Länder zu beachten hatten um damals ein Auto zu bekommen. Denn Aufgrund der planwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und extrem eigeschränkter Exportmöglichkeiten stellte das größte Problem die Verfügbarkeit der PKW dar.

Grundsätzlich wurde der steinige Weg eines Neuwagenkaufs in der DDR durch die Bestellung eines Wagens durch eine volljährige und geschäftsfähige Person eröffnet. Im Anschluss folgte hier eine lange Wartezeit… 1970 betrug die Wartezeit rund 17 Jahre, wenn Otto also mit 18 seinen Trabant bestellt hat, konnte er ihn mit 35 abholen… Super! … fast eine Amzon Prime Bestellung! In der Regel war das auch der Zeitraum in dem das Geld für den Wagen angespart wurde, denn das Auto musste erst bei Abholung bezahlt werden.

Auch in der Volksrepublik Polen war ein Auto ein Luxusgut, dessen Erwerb im Schwierigkeitsgrad dem Kauf einer Eigentumswohnung in einer vom Krieg zerstörten Stadt gleich kam. 1959 gab es rund 78.000 registrierte Autos in der Volksrepublik, haute sind es über 19 Millionen. Soweit es möglich war ein Auto zu bestellen, waren auch in Polen Wartezeiten von bis zu 4 Jahren zu erwarten. Auf dem Markt kreisten sogenannte „Autobons“, mit denen man bei der Autovergabe bevorzugt wurde. Diese blieben in der Regel Staatsfunktionären und Parteiangehörigen vorenthalten.

Um an ein Auto zu kommen, waren folgende Faktoren von Vorteil:

  • Viel Geld
  • Gute Kontakte
  • Viel Geduld
  • Noch mehr Glück

Oder „besondere“ Verdienste für den Staat

Folge des ganzen waren negative Marktentwicklungen – Spekulationen, Protektionismus, extrem hohe Autopreise an den Autobörsen, Korruption.

Produktionsstätten

Die wichtigsten Produktionsstätten Polens waren die FSOFabryka Samochodów Osobowych (dt. „Fabrik für Personenwagen“) in Warschau. Und die FSMFabryka Samochodów Małolitrażowych (dt. „Fabrik für Fahrzeuge mit kleinem Hubraum“) in Bielsko-Biala und in Tychy.

In der DDR waren die Werke des Industrieverbandes Fahrzeugbau für die PKW – Produktion verantwortlich, die bedeutendsten Werke waren hier VEB Automobilwerk Eisenach (AWE) (vorher Automobilwerk Zwickau (Audi)) und die VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau (AWZ) (vorher BMW Werk Eisenach).

Syrena und Wartburg

Bis 1956 waren Privatautos in Polen eher verpönt als erwünscht. Mit der Liberalisierung des politischen Systems Polens im Oktober 1956, hat sich das drastische geändert. Das erste in Polen für „das Volk” hergestellte Autos war die Syrena.

Syrena 101

Syrena 101, © Dawid783, wikipedia.org

Mit rund 72.000 polnischer Zloty konnte man sich eine Syrena kaufen, bei einem Durchschnittsgehalt von damals 1.450 polnischer Zloty, waren rund 50 Gehälter für das Auto fällig, sprich das Gesamteinkommen aus 4 Jahren Arbeit.
Da in den Anfangsjahren nicht mehr als einige tausend Stück für das Volk produziert wurden, konnte selbst bei diesen Preisen die Nachfrage vorerst nicht im Ansatz gedeckt werden. Das erste Modell, der zweitürigen Stufenhecklimousine, welches tatsächlich in die Fließbandproduktion ging, kam 1958 mit der Syrena 101. Der Wagen war mit mit einem Zweizylinder-Zweitaktmotor und 746cm³ Hubraum ausgestattet. Insgesamt wurde die Syrena bis 1984 in der FSO hergestellt.

Wartburg

Der Wartburg 311 wurde zwischen 1955 und 1965 in den Autowerken in Eisenach hergestellt. Der 311 kam zwar nicht in einer so hohen Stückzahl (247.368 Fahrzeuge), wie der spätere für die Massenmotorisierung bedeutsame Wartburg 353, von dem rund 1,6 Millionen Stück produziert wurden auf den Markt. Dafür kann man aber sagen, dass es sich bei Wartburg 311 schon um einen Premiumwagen handelt. Aufgrund seiner Formschönheit erreichte dieser Wagen mehr Anerkennung im nichtsozialistischen Ausland als jeder andere Wagen der DDR.
Der Wartburg 311 war in jeder erdenklichen Modellvariante vorhanden, Limousine, Kombi, Coupé, Cabriolet, Kübelwagen und sogar als Pickup.

Wartburg 311

Wartburg 311, © Sludge G, flickr.com

Der wunderschöne Wagen kostete damals rund 16.370 DDR Mark, bei einem durchschnittlichen Bruttomonatseinkommen von rund 430 DDR Mark war nicht ohne, ähnlich wie bei der Syrena in Polen wären zu dieser Zeit auch in etwa 50 Nettomonatsgehälter fällig gewesen sein. Wenn man zudem die geringe Stückzahl an Autos betrachtet, wird es jedoch ohnehin kaum möglich gewesen sein an ein solches Auto zu gelangen.

Warszawa und IFA F9

Der in der FSOFabryka Samochodów Osobowych (dt. „Fabrik für Personenwagen“) hergestellte Warszawa, der teilweise an einen etwas abgespeckten Buick Eight erinnert, war ein Auto für die Industrie. Das erste Modell, der M20 wurde nach russischem Vorbild des sowjetischen GAZ-M20 Pobeda, gebaut. Der Wagen wurde ausschließlich an staatliche Institutionen und die Armee geliefert, auch als Krankenwagen kam der Warszawa M20 zum Einsatz. Die zweitürige Fließhecklimousine hatte immerhin einen Vierzylinder-Ottomotor mit OHV-Ventilsteuerung mit 2120 cm³ Hubraum und bis zu 70 PS Leistung. Die verschiedenen Modelle des Warszawas wurden von 1951 bis 1973 hergestellt.

Warszawa M20

Warszawa M20, © Marek Argent , wikipedia.org

Vor allem optisch vergleichbar ist der Warszawa mit dem IFA F9 (später unter dem Namen EMW 309 produziert). Der von Industrieverband Fahrzeugbau produzierte IFA F9 hatte einen Dreizylinder-Zweitaktmotor mit 900cm³ Hubraum und einer Leistung von 28 PS ist der IFA F9 zwar etwas Leistungsschwächer als der Warszawa M20, dafür hat der Wagen eine andere Besonderheit: Der IFA F9 war das letzte in der DDR hergestellte Auto mit Selbstmördertüren. Bei Selbstmördertüren handelt es sich um Türen, die den Anschlag hinten und nicht vorne haben, sich auf der entgegengesetzten Seite öffnen. Insgesamt wurden von 1950 bis Mai 1956 etwa 30.000 Fahrzeuge gebaut.

IFA F9

IFA F9, © Rene-Schwietzke, flickr.com

Kommen wir nun zu den Hoffnungsträgern der Motorisierung beider Länder…

Polski Fiat 126P

Die Rolle dieses Hoffnungsträgers kam in Polen dem Polski Fiat 126P zu. Der kleine Polski Fiat wurde zwischen 1973 bis 2000 in Fabryka Samochodów Małolitrażowych (dt. „Fabrik für Fahrzeuge mit kleinem Hubraum“) in Bielsko-Biala und in Tychy hergestellt.
Der Wagen konnte dank eines Lizenzabkommens mit Italiens nach dem Vorbild des Fiat 126 in Polen produziert werden (Produktionsstätten). Dieses Abkommen ist unter anderem der politischen Bewegung in Richtung westlicher Länder mit kapitalistisch geprägter Marktwirtschaften zu verdanken.

Obwohl der Wagen recht klein war, konnte er eine ganze Reihe an Problemen lösen. Der Wagen war preiswert, 69.000 polnischer Zloty, bei einem monatlichen Einkommen von inzwischen durchschnittlich 3185 Zloty bedeutete dies in der Praxis: rund 22 Monatseinkommen für ein Auto.
Der Wagen hatte einen niedrigen Verbrauch und wurde in einer viel höheren Stückzahl produziert als die bisherigen Autos in Polen.

Der kleine Fiat, auch Maluch (=Winzling) genannt, war so begehrt, dass trotz der hohen Produktionsrate, mit mehreren Jahren Wartezeit zu rechnen war. So war es üblich, dass bei Gebrauchtwagenkäufen auf Automärkten locker mit 250% Aufschlag auf den Preis den ein Neuwagen kostet zu rechnen war. Das ist, als müsste man für einen 5 Jahre alten, gebrauchten Golf, der neu ca. 18.000€ neu kostet 63.000€ bezahlen.

Der Motor des Fiat 126P befindet sich, wie sonst bei Sportwägen üblich, am Heck saß. Der 23 PS starke Motor beschert dem „kleinen Flitzer“ immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 105 – 120 km/h.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass POLANDO gerade dabei ist, einen wundervollen kleinen Polski Fiat 126P zu restaurieren, der schon bald die Grenzregion zwischen Deutschland und Polen unsicher machen wird. (Mehr Artikel über unseren POLANDO Fiat)

Der Trabant

In der DDR war es der Trabant, der das Zeitalter der Massenmotorisierung eröffnete. Das meistgebaute Trabi-Modell, mit einer Stückzahl von fast 3 Millionen, war der Trabant 601.

Ähnlich so viele Polski Fiats 126P verließen auch die Werke in Polen, betrachtet man jedoch die Bevölkerungszahlen der DDR (16,1 Mio.) und der Polens (ca. 40 Mio.), war die Chance für einen DDR Bürger einen Trabant zu fahren mehr als doppelt so hoch, wie die für einen Polen den Polski Fiat zu fahren.

Der Trabant 601 kam 1964 mit einem 23 PS starken Motor mit 600 cm³ Hubraum auf den Markt. Obwohl er einen halben Meter länger und rund 15 cm breiter war als der Polski Fiat 126P wiegt der Trabant mit seinen 610 kg – 659 kg kaum mehr als der Fiat. Das hat der Wagen vor allem seiner Karosserie zu verdanken, diese besteht aus mit kurzen Baumwollfasern verstärktem Phenolharz und wiegt um einiges weniger als die Metallkarosserie des Fiats.
Für einen Trabant 601 musste man 13.000 DDR Mark auf den Tisch legen. Bei einem Durchschnittseinkommen von rund 700 DDR-Mark im Jahr 1970 sind das rund 18 Monatsgehälter.

Auf den Trabant musste man jedoch um einiges länger warten, als auf den Polski Fiat. 1970 betrug die Wartezeit rund 17 Jahre. Aufgrund der langen Wartezeit waren auch in der DDR die Gebrauchtwägen um einiges teurer, als Neuwägen.

Vom 7. Oktober 1957 bis zum 30. April 1991 liefen knapp 3,1 Millionen Trabis vom Band. 2016 gab es noch etwa 33.000 zugelassene Trabis auf Deutschlands Straßen.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen, kann sich durch unsere Bilder aus dem Deutsch-Polnisches Trabi Treffen von Unithea nochmal in die Vergangenheit zurückversetzen lassen.

Kommentare (1)

  1. Pingback: Tom Hanks bekommt zum Geburtstag einen Polski Fiat geschenkt » POLANDO

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: