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Ostern in Polen – Polnische Ostertraditionen

Ostern in Polen – Polnische Ostertraditionen

Wie wird in Polen das Osterfest begangen und welche Traditionen sind dort typisch? Was bedeutet „śmigus-dyngus“ und warum solltest du an diesem Tag ganz besonders aufpassen wenn du vor die Haustür gehst?

Das Osterfest ist mit besonders vielen, wichtigen Traditionen verbunden, manche von ihnen reichen mit ihren Wurzeln sogar bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dem Osterfest kommt jedoch nicht nur eine wichtige Symbolik im im geistlichen Sinne zu, es ist auch die Zeit in welcher die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht.

Die wichtigsten polnischen Ostertraditionen könnt ihr hier kennenlernen

Faulpelze aufgepasst! – Der traditionelle Frühlingsputz

Früher war der Frühlingsbeginn ein idealer Zeitpunkt für einen großen Frühlingsputz. Wohnungen wurden aufgeräumt, Häuser wurden gestrichen und mit Frühlingsdekoration geschmückt. Diese Tradition ist auch heute immer noch fester Bestandteil und dient der Einleitung des Osterfests. Besonders wichtig ist, dass jedes Haushaltsmitglied eigene Aufgaben übernehmen muss, Faulenzern wird keine Chance gegeben!

Ostern für kreative – „Pisanki“

Jede Region hat ihre eigenen charakteristischen Techniken zum Verzieren von Ostereiern. Die Symbolik dient dem Gedanken des Wohlergehens und der Geburt. Die „Pisanki“ stellen ein sehr bedeutsames Element in der Osterzeit dar.

Zu den bekanntesten Techniken zählen folgende:

  • Drapanki“ (Kratztechnik): Hierbei werden Muster in die gefärbten Eierschalen geschnitzt.
  • Kraszanki„: Die „Kraszanki“ sind in einer färbenden Brühe gekochte Eier, die so je nach Art der Brühe verschiedenen Farbtöne erhalten.
  • Pisanki„: Bei den „Pisanki“ werden Muster oder Schriftzüge mit Wachs auf die Schalen gemalt, diese dann anschließend in einer Färbenden brühe gebadet. Anschließend entstehen auf den mit Wachs bemalten Stellen entsprechende Muster.
  • Oklejanki„: Die „Oklejanki“ werden mit verschiedenen Elementen beklebt, Holunderblüten, Papier, Nähten oder Wollfäden und andere Sachen kommen hier zum Einsatz.
  • Nalepianki„: Die aus der Wojowdschaft um Krakau stammenden „Nalepianki“ entstehen durch das Schmücken von Eiern mit verschiedenfarbigen Papierelementen.
  • Azurki„: Die „Azurki“ ähneln dem auch in Deutschland bekannten „ausgepusteten Ei“.

Wielki Tydzień“ – Die Osterwoche

Ostern in Polen

Ostern in Polen

Der „Wielki Tydzień“ beginnt mit dem Palmsonntag. Der im Christentum sehr bedeutsame Tag symbolisiert die Ankunft Jesu in Jerusalem. Am Palmsonntag werden in der Kirche die sogenannten „Palmen“ geweiht. Die „Palmen“ bestehen üblicherweise aus Weidenzweigen die mit Buchsbaum und Blumen verziert werden. Früher hat jeder Hausbewohner eines Hauses mit der dortigen „Palme“ einen leichten Klaps bekommen, anschließend wurde sie über die Tür oder über ein Bild gehangen, was vor Gewitter und Feuer schützen sollte. Einige Ortschaften veranstalten sogar Wettbewerbe, wer die schönste „Palme“ mitbringt, bekommt einen Preis.

Die Kartage

Am Gründonnerstag beginnt das sogenannte Triduum Paschale. Die Altare in den Kirchen werden leer geräumt und sämtliche Glocken verstummen bis zum Moment der Auferstehung Christi.

Am Karfreitag findet im Rahmen der Messe, im Gedenken an das Leiden und Sterben Christi, eine symbolische Prozessionen statt, an deren Ende sein Leib zu Grabe gelegt wird. Dieser Tag ist ein strenger Fasttag, traditionell wird zur Mahlzeit Mehlsuppe (Żurek) mit Hering gereicht. Karfreitag ist in Polen ein ganz normaler Arbeitstag, alle Geschäfte und Ämter sind auf (Feiertage in Polen in 2017 findest Du hier)

Zu früheren Zeiten wurde am Karsamstag das Haus mit Wasser abgespritzt, was Glück bringen sollte. Das Verbrennen von Haselnusssträuchern und das verstreuen der Asche beim ersten Pflügen sollte Wohlstand bringen.

Heutzutage werden am Karsamstag außer einem Korb mit festlichen Gaben auch Wasser, Feuer und Dornen geweiht.

Die mit Buchsbaum dekorierten Körbe enthalten typischerweise:

Ostern in Polen

Ostern in Polen

  • Eine Lammfigur (Symbol der Auferstehung Jesu)
  • Eier (Symbol der Geburt)
  • Brot (Symbol des Leib Christi, des Wohlstandes und des Glückes)
  • Meerrettich (Symbol der Qual des Herren)
  • Salz (Wesen der Wahrheit)
  • Käse (Symbol der Verbundenheit des Menschen mit der Natur)
  • Marmorkuchen (Symbol des Geschickes)

Sämtliche Haushaltsarbeiten, wie das Aufräumen und das Kochen des Ostermahles, müssen unbedingt vor der Weihe des Osterkorbes erledigt werden.

Ostersonntag

Am Ostersonntag muss der Tisch mit einer weißen Tischdecke bedeckt werden. Zum Frühstück gibt es Mehlsuppe (Żurek), Weißwurst, Leberwurst, Braten oder Schinken. Was auch nicht fehlen darf ist Ostergebäck wie „Mazurki“ oder Marmorkuchen. In einigen Regionen findet wie in Deutschland die Suche nach vom Osterhasen versteckten Sachen statt.

Ein nasser Spaß – „śmigus-dyngus“

Am  „śmigus-dynguns“, sprich am Ostermontag, sollte man Vorsichtig sein sobald man das Haus verlässt. Denn nach alter polnischer Tradition darf man an diesem Tag jeden zu jeder Zeit mit Wasser abspritzen. An dem Tag mit Wasser abgespritzte Frauen haben angeblich eine größere Chance auf eine Heirat, wer beleidigt war hatte hingegen eine geringere Chance auf eine Heirat.

Es gibt jedoch die Möglichkeit sich mit einer „Pisanka“ vor dem „Nassmachen“ freizukaufen. Deshalb sollte sich jede Dame bemühen eine möglichst schöne „Pisanka“ bei sich zu haben. Ein junger Mann der einer Frau eine „Pisanka“ schenkt, zeigt ihr damit, dass er sie gern hat.


Fotos:
flickr.com – polandmfa © M.Ciszewski
flickr.com – © roovuu
flickr.com – © Praktyczny Przewodnik
flickr.com – © Magic-Madzik
flickr.com – © KLMircea
flickr.com – © Salon_NYC

Thomas

Über Thomas

Mein Name ist Thomas Geßner, ich studiere Rechtswissenschaften an der Viadrina. Als gebürtiger Słubicer, aufgewachsen größtenteils in Deutschland liegt mir die Vermittlung polnischer Kultur und der schönen Seiten Polens besonders am Herzen.

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