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10 Jahre Polen im Schengen Abkommen. Ein Rückblick aus der Doppelstadt Perspektive

10 Jahre Polen im Schengen Abkommen. Ein Rückblick aus der Doppelstadt Perspektive

Unser Leben nach Schengen. Seit 10 Jahren gibt es keine Grenzkontrolle mehr!

Ein Text von Beata Bielecka / Stadt Slubice

Oder für Touristen - Zefir Ausflugsschifffahrt über die Oder

Oder für Touristen – Zefir Ausflugsfahrt über die Oder

Die Brücke zwischen Slubice und Frankfurt Oder ist heute ein wichtiges Element einer gewöhnlichen Straße, die täglich mehrere tausend Personen überqueren. Unter Ihnen sind viele junge Leute, die an der Oder studieren, Polen, die in Deutschland arbeiten oder aber auch Deutsche die in Polen günstig einkaufen wollen. Über die Brücke verkehrt auch ein Bus und ein Fahrgastschiff Zefir, das über die Oder schwimmt. So war es aber nicht immer: seit dem 21. Dezember 2007 ist Polen Teil des Schengen-Abkommens. Die Grenzen waren eine Art Bremse, die das Einanderkennenlernen zwischen den Ländern und Kulturen verlangsamte.

Zuerst trat Polen der Europäischen Union bei, wodurch ein Beitritt in den Schengen-Raum ermöglicht wurde, sodass im deutsch-polnischen Grenzgebiet Normalität eintrat. Eine Einteilung der Menschen in bessere und schlechtere Europäer und die Klischees wurden endlich gebrochen. Nach langem voneinander Lernen bildeten die slubicer und frankfurter Einwohner eine Doppelstadt, in der mittlerweile gemeinsam Entscheidungen getroffen werden, worauf sie stolz sind.

Das hat neue Energie geschaffen!

Die Bürgermeister von Slubice und Frankfurt Tomasz Ciszewicz und Dr. Martin Wilke können sich nicht vorstellen, wie es wäre wenn man wieder die Bremsen ziehen würde und die Vor-Schengen-Regelungen einführen würde. „Die Aufhebung der Grenzen hatte für unsere beiden Städte eine enorme Bedeutung“ unterstreicht T. Ciszewicz. Der fliesende Verkehr kommt der Wirtschaft entgegen. „Investoren gründen bei uns ihre Geschäfte, wir haben in Slubice kaum noch freie Grundstücke für andere Investitionen. Die Nachbarschaft und der einfachere Zugang ermöglichte eine Senkung der Arbeitslosenquote in Slubice, da viele eine Arbeit in Deutschland gefunden haben. An der Anzahl der Besucher in unseren Supermärkten und Restaurants sieht man wie sehr der Einzelhandel oder auch Dienstleistungen gefragt sind. Wenn Polen in den Schengen-Raum nicht eingetreten wäre, hätten wir von dieser Wirtschaftsdynamik nur träumen können. Ebenso wäre der kursierende Bus, das Touristenschiff, das über die Oder verkehrt, undenkbar. „Das problemlose Überqueren der Brücke ermöglicht auch eine Integration der Einwohner beider Städte, eine Zusammenarbeit zwischen den Kindergärten und Schulen und die zahlreichen Kultur- und Sportveranstaltungen“, zählt T. Ciszewicz auf, „es wundert niemanden mehr, dass die slubicer Einwohner mittlerweile auch in Frankfurt und Frankfurter in Slubice wohnen. „Schengen hat uns neue Energie zum Wirken gegeben“, sagt der slubicer Bürgermeister.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke unterstreicht, dass der Eintritt Polens in den Schengen-Raum nicht nur den Grenztourismus vereinfachte, sondern auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern in eine neue Etappe führte. „Die gute Wirtschaftssituation in Europa ist auch die Konsequenz der Aufhebung der Handelseinschränkungen. Auch in Anbetracht der gesellschaftlichen Beziehungen ermöglichte die Grenzaufhebung eine Annäherung der beiden Städte, sodass sie nun in vielen Bereichen eng miteinander arbeiten. Es wird auch immer mehr die Sprache des Nachbarn erlernt, da die Sprachkenntnisse eine immer wichtigere Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen und als wichtige Qualifikation angesehen werden. „Meiner Ansicht nach löste Schengen eine Blütezeit in der deutsch-polnischen Beziehung und stärkte Europa“, sagt Dr. M. Wilke.

Hier geht es weiter... Bilderarchiv aus der Schengen-Veranstaltung in Slubice / Frankfurt

Chancen der Doppelstadt

Der Große Basar in Slubice

Der Große Basar in Slubice

Fakt ist, dass die Oder die Städte nicht mehr teilt, das wissen auch die Einwohner zu schätzen. „Dadurch, dass man heute beim Überqueren der Grenze nicht mehr in der Schlange stehen muss, vergrößerte sich die Kundenanzahl“, sagt Paweł Sławiak Leiter der lokalen Oder Handelsvereinigung in Slubice. „Schengen kurbelte die Konjunktur an, die bis heute andauert. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es wäre wenn wir aus Schengen austreten würden. Es wäre eine Katastrophe für uns, da 96 % unserer Kunden aus Deutschland kommen. Dank ihnen sind wir der größte Betrieb in Slubice. Wir beschäftigen 600-900 Personen, hinzukommen noch zahlreiche Lieferanten“, fügt P. Sławiak hinzu.
Ratsmitglied, Krystyna Baczyńska, ergänzt, dass man die positiven Aspekte des Schengenbeitritts bis ins unendliche auflisten könnte. Sie bemerkt jedoch einen wesentlichen Grund, der für die Entwicklung der beiden Städte von großer Wichtigkeit ist, und zwar der Kontakt unter den Einwohnern. Dank ihnen könnten viele Stereotypen abgeschafft werden, die die Zusammenarbeit und das gegenseitige Kennenlernen des Nachbarn hemmten.

Tomasz Pilarski, Direktor der Slubicer Kultureinrichtung erinnert sich an Zeiten, an denen die Brücke an der Oder mehr trennte als verbindete. Es brauchte Jahre, um das zu ändern. Schengen hat uns dabei geholfen. Die fehlende Grenzkontrolle hatte nicht nur Einfluss auf den Lebenskomfort. „Der Fakt, dass es keine Grenzkontrolle mehr gibt, ermöglichte, dass sich die Frankfurter und Slubicer sich häufiger besuchen und sich als Doppelstädtler identifizieren“, sagt Pilarski. Schengen machte möglich, dass die Oder nicht mehr trennt, sondern verbindet. „Das Bild, dass Spaziergänger unbeschwert über die Brücke gehen, zum Beispiel während des Hansefests, ist das Schönste was man sich vorstellen kann“, sagt T. Pilarski.

Golfplatz in Polen, Slubice- Frankfurt Oder

Der Golfplatz in Slubice

Die Einwohner des Grenzgebiets verbinden nicht nur Kulturen. Zbigniew Sawicki, der Vorsitzende des Slubicer Sportvereins erzählt von zahlreichen Veranstaltungen, die sowohl slubicer, als auch frankfurter Einwohner besuchten. Eines davon ist der „Lauf ohne Grenzen“ während des Hansefests. Die Strecke führt durch die beiden Städte, jedoch muss man da auch die Oder überqueren. „Wenn es an der Brücke immer noch Grenzkontrollen gäbe, wäre dieser Lauf nur ein Traum geblieben“, sagt Sawicki. Ähnlich wäre es auch mit dem Golfplatz in Slubice. „wir haben 100 Mitglieder aus Deutschland. Wenn sie Lust hätten bei uns zu spielen, müssten sie jedes mal die Kontrollen durchlaufen. Der Club hätte sich somit nie zu dem entwickelt was er jetzt ist.“

„Die offenen Grenzen sind auch unbegrenzte Möglichkeiten für unsere Kindergärten und Schulen“, unterstreicht Danuta Nowak, die Schulleiterin des Gymnasiums Nr. 2, das seit Jahren mit dem Karl Liebknecht in Frankfurt zusammenarbeitet und das deutsch-polnische Lehrprojekt „Latarnia“ realisiert. Dadurch haben die Schüler beider Schulen gemeinsamen Unterricht, wie Mathematik und Kunst und nehmen an außerschulischen Veranstaltungen, die beide Schulen anbieten, teil. Während der gemeinsamen Veranstaltungen tauschen sich die Schüler mit ihren Sichtweisen aus, lernen die Sprache und Kultur des Nachbarn kennen. „Das lehrt Toleranz und Respekt für andere Länder“, unterstreicht D. Nowak und fügt hinzu, dass „das Schengen-Abkommen eine Zusammenarbeit erleichtert, da die Schüler ohne Schwierigkeiten die Grenze überqueren können.“

Regionalbahn

Elzbieta Anna Polak

Präsidentin der Wojewodschaft Lebus, Frau Elżbieta Anna Polak

Die Präsidentin der Lebuser Woiwodschaft, Elżbieta Anna Polak, hat keine Zweifel, dass der Eintritt Polens in den Schengen-Raum, das dem EU-Beitritt folgte, einen Einfluss auf die gesamte Region hatte. „Es hat vor allem Nutzen auf dem Arbeitsmarkt eingebracht. Aufgrund der Grenznähe, haben die Lebusereinwohner neue Perspektiven erhalten. Die Aufhebung der deutsch-polnischen Kontrolle ermöglichte eine regionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit und eine Realisierung gemeinsamer Unternehmensgründungen, die zur Entwicklung der Grenzregion beitrugen. Es konnten zahlreiche große und kleine grenzüberschreitende Projekte gestartet werden. Als leitender des deutsch-polnischen Komitees für zwischenregionale Zusammenarbeit, nehme ich viele positive Veränderungen der deutsch-polnischen Beziehungen wahr, bei denen die EU-Mittel im Grenzgebiet ausgenutzt werden. Es entstehen deutsch-polnische Kindergärten, Schulen, Büros und Veranstaltungsorte, bei denen die Einwohner der beiden Städte die Kultur, Geschichte und Bräuche des Anderen kennenlernen.“

Rückkehr zur Vergangenheit? Niemals!

Wer sich an die Vor-Schengenzeit erinnert, hat keinen Zweifel, dass eine Rückkehr zu den alten Zeiten die Entwicklung der Grenzregion bremsen würde. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass der Zerfall des Schengen-Abkommens die Europäische Wirtschaft 7-18 Milliarde Euro jährlich kosten würde (0,05-0,13% des europ. Bruttoinlandsprodukts). Den größten Verlust würde Polen, Deutschland und die Niederlande machen. Dazu muss man noch die Ausgaben zuzählen, die mit dem Kosten der Grenzkontrollen und den Schlangen an den Grenzen verbunden wären. Die Schätzungen im Falle Polens liegen bei 500 Millionen Euro jährlich. „Das wäre auch fatal für unsere Beziehungen“, sagt Michael Kurzwelly, ein Künstler aus Frankfurt, der noch vor Polens EU-Beitritt von einer Doppelstadt sprach, die er „Słubfurt“ nannte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Grenzkontrollen wieder zurückkehren“, fügt er hinzu und erinnert sich daran, als Polen das Schengen-Abkommen unterzeichnete. Vor Freude hat er damals die Brücke mit dem Fahrrad mehrmals überquert und wendete im Kreisverkehr in Slubice, um wieder nach Frankfurt zurück zu kehren. „Ich konnte es kaum glauben und habe mich über die Grenzaufhebung riesig gefreut.“ Er wusste, dass die Zusammenarbeit der beiden Städte sich dadurch verschnellern würde. Er hat sich nicht getäuscht.

Die Nacht vor 10. Jahren an dem Grenzübergang Frankfurt Oder – Slubice…

Mehr Bilder von der Veranstaltung an dem Grenzübergang in Slubice / Frankfurt Oder

Hier geht es weiter... Bilderarchiv aus der Schengen-Veranstaltung in Slubice / Frankfurt oben
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